KAHLSCHLAG DES WALDES ERST EINMAL ABGEWENDET
Ein guter Tag für die Stadt. Dies werden sicherlich viele Bürger denken, die den Verbund von Mensch und Natur erkennen, und ein Herz für den Spitalwald haben. Die Prokon Regenerative Energien eG, der Projektierer für Windkraftanlagen im Spitalwald, zieht sich aus dem umstrittenen Projekt zurück, wie der Gäubote am 01.10.26 berichtet. Als Gründe werden von Prokon die fehlende Wirtschaftlichkeit, die geopolitische Lage und Planungsfehler beim Windkraftausbau des Verbands Region Stuttgart genannt, dessen Pläne nicht davor zurückschreckten, Naturschutzgebiete als Windkraftstandorte auszuweisen und zahlreiche Orte mit Windkraftanlagen zu umzingeln.
Die Windkraftpläne im Spitalwald wären aus der Sicht vieler Bürger ein schwerer Schlag gegen Mensch und Natur, allein schon wegen dem wertvollen Wald, dem Artenreichtum, der Wasserschutzzone II und den geringen Abständen zur Wohnbebauung, doch davon ist bei Prokon keine Rede.
Man nennt für den Rückzug vor allem finanzielle Gründe, was ein weiteres Zeichen dafür sein könnte, dass es diesem Unternehmen möglicherweise nie um Klimaschutz und sichere Stromversorgung ging, sondern vorrangig um das Abschöpfen von Subventionen, dem Grundgerüst für die Energiewende. Die gesunkene EEG-Vergütung, (Subventionen aus Steuergeldern), kein ausreichender Ausgleich für Standorte in Süddeutschland, sowie gestiegene Baukosten und Zinsen, werden von Prokon als Gründe beklagt.
Viele Herrenberger werden für Prokon weder Mitgefühl aufbringen können, noch dieses Unternehmen vermissen. Der Herrenberger Bürgermeister bedauert jedoch Prokons Rückzug, und sieht ihn als ein Rückschlag für die Stadt. Denn Windkraft bleibt für Nico Reith ein „zentraler Baustein kommunaler Energiepolitik aus Gründen des Klimaschutzes und der Energiesouveränität“.
Diese Worte, kurz nachdem schon die Stadtwerke Stuttgart aus dem Windkraftprojekt in Jettingen ausstiegen, und nun auch nach dem Rückzug von Prokon, mögen so manchem Bürger und Windkraftkritiker als unerklärlich, fast schon unbelehrbar erscheinen. Naturschützer erklären seit vielen Jahren, dass der Kahlschlag von Wäldern und der Verlust von Heimat und Biodiversität kein Klimaschutz sein kann. Der Physiker Dieter Böhme würde dem Herrenberger Bürgermeister eventuell die physikalischen Grundkenntnisse von Energieversorgung, Windkraft und Leistungsdichte erklären und ausführen, dass eine Stromversorgung mit Windkraft physikalisch nicht möglich ist, da ein Windrad pro Quadratmeter Rotorfläche im Mittel die Leistung einer Glühlampe generieren kann, und mehr nicht. Und dass dies nur ein Grund von vielen ist, warum Windräder im windschwachen Baden-Württemberg auch niemals zu einer Energiesouveränität beitragen können.
Während viele Herrenberger nach dem Rückzug Prokons zumindest vorerst erleichtert sind, möchte der Verein Freie Horizonte Herrenberg an dieser Stelle der örtlichen Windkraftdebatte unabhängige Wissenschaftler und Menschen vor Ort zu Wort kommen lassen, die sich seit vielen Jahren mit Energieversorgung, Naturschutz und Windkraft beschäftigen, und die unmittelbar davon betroffen sind. Die Kurz- und Langfassung des aktuellen und umfassenden Dokumentationsfilms „Wenn der Wind sich dreht“ ist eine hochaktuelle Windkraft-Doku aus Deutschland, mit den wichtigsten Aussagen von Experten und Bürgerinitiativen aus dem ganzen Land, der seit August in vielen Kinos und auf Veranstaltungen zu sehen ist. Es wäre eine gute Möglichkeit, sich umfassend über das Thema zu informieren. Möge dies auch zu den Hintergrundinformationen von Stadtverwaltung, Ortschafts- und Gemeinderäten beitragen.
Die Zusammenfassung der filmischen Dokumentation in 30 Minuten:
Der Film in ganzer Länge:









