WINDPARK HERRENBERG: NOCH KEIN NUTZUNGSVERTRAG UNTERSCHRIEBEN
Heimat-, Naturfreunde und viele Bürger Jettingens und Herrenbergs atmeten kurz auf, als das Projekt mit den Stadtwerken Stuttgart – Windpark Jettingen ruhte (der Gäubote berichtete). Nun ist klar, die Stadtwerke Stuttgart steigen aus, aufgrund der gegenwärtigen wirtschaftlichen Bewertung, und geben die Projektrechte an ForstBW Green Energy GmbH ab. Es ist öffentlich nicht nachvollziehbar, warum ForstBW Green Energy das Projekt für tragfähig hält, nachdem ein erfahrener kommunaler Energieversorger die Reißleine zieht. Die neuen Planungen beinhalten 4 statt 5 Windkraftanlagen, und seitens ForstBW Green Energy wird angestrebt, das Projekt zeitnah weiterzuentwickeln.
Von Anfang an gibt es viele Risiken für Investoren: Die gemessene Windleistung an dem Standort ist gering, das Gelände für solche Bauvorhaben schwierig, und es liegt noch kein rechtskräftiger Regionalplan Teilfortschreibung Wind vor wegen Verzögerungen durch ergänzungsbedürftige Naturschutzgutachten. Dies bremst die Genehmigungen von Bauvorhaben durch die Landratsämter.
Eine weitere Erschwernis ist, wie bei den meisten Bauvorhaben im Ländle, die schwierige Wirtschaftlichkeit dieses Projekts.
Teure Standorte in Bezug auf Pacht, hohe Baukosten, steigende Zinsen und sinkende EEG-Vergütungen machten derartige Projekte für die Vorhabensträger unattraktiv, erklärte Jettingens Bürgermeister Hans Michael Burkhardt, und lässt verlauten, dass noch nicht sicher ist, ob überhaupt gebaut wird. Investoren denken sicherlich noch weiter. Kämen zusätzliche Probleme hinzu, die beim Bau dieser großen Anlagen auftreten können, und bisher nicht vorhersehbar sind, gerät ein Windkraftbetreiber schnell selbst in die Kostenfalle, oder gar in Insolvenz.
Auch die geplante Stromtrasse SuedWestLink macht die Sache nicht leichter, denn diese könnte möglicherweise den Bedarf an sogenannten Erneuerbaren Energien ohnehin decken – die Windräder würden dann nicht mehr gebraucht.
Und was ist nun mit dem Herrenberger Windpark im Spitalwald? Dort sollen 7 Windräder durch die Firma Prokon gebaut werden. Am 7.7.26 meldete sich auch Prokon zu Wort und bestätigte eine derzeit schwierige Marktlage. Das Fehlen der Wirtschaftlichkeit von Windpark-Bauvorhaben in Süddeutschland wegen hohen Pacht- und Baukosten und sinkenden Vergütungen kann dazu führen, dass „fortgeschrittene Planungen nicht ins Genehmigungsverfahren gehen.“
Der Standort Spitalwald hat aber noch zahlreiche weitere Risiken. Selbst wenn sich die politischen Rahmenbedingungen verbessern würden, wie lange wäre diese neuen Rahmenbedingungen gültig? Subventionen können sich abrupt ändern, immer abhängig von der politischen Situation. Darüber hinaus wären Windparks im Spitalwald zu jeder Zeit ein äußerst riskantes Projekt in vielerlei Hinsicht. Zum Beispiel bei den Themen Wasserverschmutzung in einer Wasserschutzzone, Artenschutz, oder Lärm wegen geringen Abständen zur Wohnbebauung.
Was wäre, wenn die Anlagen zwar gebaut würden, aber nach kurzer Zeit teilweise oder ganz abgestellt werden müssen? Immer mehr Windkraftanlagen in ganz Deutschland (Sachsen, Nordrhein-Westphalen …) stehen still, oder müssen wieder abgebaut werden, wegen starkem Lärm für die Anwohner.
Das Paradebeispiel für Baden-Württemberg: Baiereck im Schurwald
Dort ist es nun amtlich. Sogar das DEKRA-Gutachten belegt: Die Windkraftanlagen sind zu laut und gefährden die Gesundheit der Bürger. 2 Anlagen müssen nachts wegen ihren Brummtönen abgeschalten werden. Die erlaubten Immissionsrichtwerte werden deutlich überschritten. Die Topographie des Tals hat den Schall im Gutachten des Projektierers anders vorhergesagt.
Landratsamt Göppingen, zuständig für Baiereck:
„Die Immissionsprognose ist erschüttert!“
Baiereck zeigt ein grundlegendes Problem auf: Windparks werden aufgrund von Modellrechnungen genehmigt. Mit den Anlagen leben müssen aber die Menschen vor Ort. Sie erleben die Belastungen täglich, und vor allem nachts. Und da zählt nicht mehr die Prognose, sondern die Realität.
Baiereck ist zudem ein Mahnmal für Probleme, die bei der Genehmigung von Windpark-Bauvorhaben für viele Bürger, Gemeinden, Projektierer und Landratsämter nicht vorhersehbar sind.
Zurück zu Jettingen und Herrenberg:
Es bleibt zu hoffen, dass die Stadt Herrenberg ihre Lehren aus dem Rückzug der Stadtwerke Stuttgart zieht, und die Ereignissen der letzten Zeit mit etlichen Insolvenzen von Windkraftbetreibern berücksichtigt. Das jüngste Beispiel ist die Sowitec Group aus Sonnenbühl, Schwäbische Alb. Windparks im Spitalwald werden immer ein gefährliches, brenzliges Projekt sein. Zu wenig Wind, schwierige Topographie, eventuell verschmutztes Wasser, Lärm, Betriebsbeschränkungen oder Stillstand der Anlagen aufgrund unvorhersehbarer Probleme, und viele weitere Unsicherheiten schweben über den Projekten. Wer hier investiert, begeht leicht wirtschaftlichen Selbstmord.









